Mein innerer Kosmos

Ein kleiner Blick in meinen Alltag.

Ich bin gerade dabei, eine studentische Arbeit zu korrigieren. Alles läuft gut, ich komme gut voran. Es macht mir Spaß, denn beim Korrigieren merke ich, dass die Studentin echte Handarbeit geleistet hat und nicht alles einfach mit der KI zusammenschustert hat. Ehrliche Arbeit, bei der es mir besondere Freude macht, zu unterstützen.
In meinen Pausen schmeiße ich nebenher noch fix den Haushalt.
Dann bin ich soweit, die letzte Korrekturrunde steht an. Ich möchte die Arbeit noch einmal ausdrucken, um die finale Runde am nächsten Tag auf dem Papier zu machen. Das funktioniert oft besser – auch, wenn es doppelte Arbeit ist und ich die Anmerkungen hinterher noch einmal in das digitale Dokument übertragen muss.

Und – Bumm.
Der Drucker versagt seinen Dienst.
Dann piept die Waschmaschine im Keller, Fehlercode 17. Was zum Henker bedeutet das?
Der zweite Drucker, auf den ich ausweichen möchte, produziert einen Papierstau nach dem anderen.
Die nächsten drei Stunden verbringe ich damit, zwischen Druckern, Waschmaschine und Computer hin und her zu laufen. Treppe hoch, Treppe runter. Wieder zum Drucker. Wieder an den PC. Wieder in den Keller. Immer auf der Suche nach der einen Lösung, die alles wieder zum Laufen bringt.

Am Ende läuft nur die Waschmaschine wieder – die Drucker beide nicht.
Ich habe dann beschlossen, die Drucker Drucker sein zu lassen und zu warten, bis mein Partner wieder da ist, der etwas mehr Technik-Verständnis hat als ich. Er kommt allerdings erst in ein paar Tagen wieder, da er gerade verreist ist.
Dieses ganze Theater hat mich volle drei Stunden gekostet – die ich mit einer Engelsgeduld und viel Akribie mit Lösungssuche verbracht habe, aber am Ende nur mit einem Teilerfolg.

Die finale Korrektur fand dann doch digital statt.
Was für ein Tag.

Mir ging danach durch den Kopf, was ich eigentlich in den drei Stunden hätte machen wollen. Ich habe noch einige Projekte, die auf ihre nächsten Bearbeitungsschritte warten. Die sind dann heute ausgefallen. Ich wollte noch etwas im Garten erledigen – gestrichen. Einkaufen wäre auch dran gewesen – inzwischen zu spät. Ich wollte noch ein paar Mails an liebe Menschen beantworten, hatte aber dazu keinen freien Kopf mehr.
Dann noch meine ganzen anderen Themen, mit denen ich mich hobbymäßig beschäftige – malen, schreiben, Handarbeiten – alles ausgefallen.

Und mir wurde klar, für wie viele Dinge ich mich so interessiere.
Das konkrete Tagesgeschehen in meinem Alltag – ist ja ganz normal, diese Dinge zu regeln. Allein heute war es das Lektorat, der Drucker, die Waschmaschine, der Haushalt, unsere Katzen, die beide gerade von Verletzungen genesen – und das alles irgendwie allein auf die Kette bekommen und eine Lösung finden für die Dinge, die gerade nicht funktionieren.
Dann das, was gerade in der Welt geschieht und was das mit mir macht.
Dann ist da auch meine Teilzeitstelle, die mich gerade etwas mehr als sonst fordert.
Dazu das Wetter mit seinen extremen Schwankungen und gelegentlich hohen Temperaturen, was mich oft anstrengt.
Und mein Körper, der will auch Pflege und Zuwendung durch Bewegung, Natur, Entspannung.
Ich will stets Neues lernen und erfahren oder tiefer in Themen einsteigen. Gerade sind z. B. die Wildkräuter wieder sehr aktuell – deren Wirkung schaue ich mir dann nicht nur physisch, sondern auch auf anderen Ebenen an und finde heraus, was hier gut für mich ist.
In Kürze fahren wir auf ein Festival, dazu sind auch noch ein paar Vorbereitungen nötig.
Meine verschiedenen Hobbies.
Und zwischendurch überprüfe ich immer wieder meine innere Richtung: Passt das alles noch zu mir?

Ganz schön viele Bälle, die da in der Luft sind.

Das Gefühl, was dabei hochkam, war zunächst so etwas wie „Verzettelung“. Weil es so viele und sehr unterschiedliche Themenbereiche sind. Trotzdem wurde mit gleichzeitig klar, dass meine Taten überhaupt nicht verzettelt sind, da ich trotzdem immer noch konzentriert vorgehe und wenn ich an einer Sache arbeite, arbeite ich daran – und nur daran. Nicht an zwölf Sachen gleichzeitig.
Es gibt also eine Linie.
Aber viele einzelne Themen.

Ich habe mal ganz tief durchgeatmet und die Augen geschlossen.
Es kam mir vor meinem inneren Auge ein Bild, was mich sehr berührt hat. Ich sah mich, wie ich mir selbst gegenüberstand und mich anschaute. Das beobachtende Ich stand einfach da. Das Ich gegenüber lächelte und hatte die Arme ausgebreitet. Zwischen den Armen sah ich ganz viele Kugeln, die wie Blasen aussahen – in verschiedenen Größen, alle in rosa-weiß und nicht durchsichtig, obwohl sie etwas wie Seifenblasen wirkten. Sie hüpften und fluppschten ein wenig hin und her, blieben aber immer im Bereich der Arme. Meine Arme umfassten alle Blasen und ich sah mich dort ganz entspannt und lächelnd stehen.

Mir wurde klar: Das sind all meine verschiedenen Themen, die ich da zwischen den Armen halte.
Und ich kann sie alle umfassen und halten. Und es ist leicht. Und alles ist in Bewegung – jedoch nicht hektisch, sondern ruhig und im Miteinander. Mal ist die eine Kugel oben, mal die andere.

All das gehört zusammen und es gehört zu mir – und ich kann es leicht und locker tragen. Und es ist eine Fülle an Möglichkeiten, die mir da zur Verfügung steht. Die stets in Bewegung ist.

Dieses innere Bild gab mir eine tiefe Ruhe zurück. Und ich begriff, dass es für mich nicht unbedingt darum geht, das genaue Ziel zu kennen oder zu wissen, wohin die Reise geht. Vielleicht geht es einfach darum, all diese Themen zu erfahren, zu erleben und zu beobachten, wie sie sich bewegen und miteinander agieren. Wie sie größer und auch wieder kleiner werden.
Ein eigener kleiner Kosmos, dem man nicht vorschreiben kann, wohin er sich bewegen soll – weil er seine ganz eigene Dynamik hat, die unserem logischen Verstand manchmal einfach verschlossen bleibt.
Und vielleicht ist genau das der Weg.


Der Weg schiebt sich beim Gehen unter die Füße.

(Bild mit KI erstellt)

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