Unterwegs: menschliche Spiegel

Ich nehme die aktuelle Zeit als sehr aufgewühlt und kribbelig wahr. Mehr, als je zuvor. Eine innere Unruhe im Alltag, die sich nicht nur emotional, sondern auch körperlich zeigt.

Es geschieht sehr viel in rasend kurzer Zeit. Es passieren Fehler in der Hektik. Die Reaktionen werden schnell ungehalten und es gibt Explosionen im zwischenmenschlichen Bereich.

Das chinesische Horoskop sagt, dieses Jahr ist das Jahr des Feuer-Pferdes. Das ist offensichtlich schon losgaloppiert.

Atmen.

Immer wieder.

Rumpelfahrt

So auch auf meiner heutigen Fahrt zum Job. Eigentlich ist mein Bus immer nur mäßig gefüllt. Wenn ich morgens einsteige, sitzen oft nur 1-2 Leute darin – ich finde also immer einen Sitzplatz.

Doch heute war alles anders.

Die Linie, die ich nehmen muss, kam fünf Minuten früher als erwartet an. Ich dachte mir: Okay, wir haben ein neues Busunternehmen, es muss sich bestimmt noch alles einspielen. Was für ein Glück, dass ich heute zeitig dabei war.

Ich steige also ein, schaue jedoch den Busfahrer etwas verwundert an – denn der Bus war zum Bersten voll! Er sah mich an und antwortete hektisch nur auf meinen Blick: „Ja, das ist der Schienenersatzverkehr, die ganzen Schüler aus der Bahn müssen hier mit. Und ich bin viel zu spät – der eigentliche Bus kommt gleich auch noch!“  

Ich nickte verständnisvoll und dachte: „Oh jeh, das geht ja gut los.“

Ich stellte mich also in den Gang und hielt mich an den Griffen fest.

Die Fahrt war rumpelig. Der Fahrer bremste oft scharf, die Kurven wurden mit Speed gefahren. Er war ja schließlich auch spät dran. Obwohl ich eigentlich recht standfest bin, musste ich einige Male ordentlich dagegenhalten.

Ich blickte mich um: Stoische Gesichtsausdrücke, kaum jemand sagte ein Wort. Es war ja auch noch früh.

Nur eine junge Frau sprach lautstark mit sich selbst. Sie lebte offensichtlich in ihrer eigenen Welt.

Ich schaute dann dem unglaublich schönen Sonnenaufgang zu, der großflächig und in kräftigem Rot-Gold leuchtend ein stilles Lächeln auf mein Gesicht zauberte. Unsere tolle Natur.

Was für ein wunderschönes Bild auf dieser stürmischen Fahrt.

Zwischen den Stationen

Mir fiel der gestrige Morgen im Bus ein.

Der Bus war, im Gegensatz zu heute, relativ leer, als ich einstieg. Eine Frau und ein älterer Herr saßen im Bus, sonst niemand. Zwei Stationen weiter musste der ältere Herr aussteigen. Noch während der Fahrt ging er schon langsam und etwas unsicher nach vorne, er hangelte sich an den Stangen entlang und kam vorne bei der Fahrerin an, die auf die Haltestelle zusteuerte. Und zack – er fing sich ein Schimpf-Gewitter von ihr ein, das seinesgleichen suchte.

Ich war regelrecht erschrocken, wie sie den älteren Mann zusammenfaltete.

Der Mann ertrug alles stoisch und stieg ohne ein Wort an der Haltestelle aus. Ich sah ihm noch ins Gesicht – keine Reaktion, ein ganz entspannter Ausdruck war zu sehen. Er ging seines Weges.

Die Busfahrerin hingegen bekam sich kaum ein, sie schimpfte weiter lautstark vor sich hin, sie habe es ihm schließlich 3x erklärt, wo er rausmüsse, was das denn immer solle … und so weiter.

Atmen.

Da war mir der überfüllte Bus heute doch um Einiges lieber, selbst, wenn ich stehen musste.

Auf dem Heimweg

Abends dann stieg ich nach einem ebenfalls unruhigen Arbeitstag mit vielen kleinen Stolpersteinen, eingebettet in eigentlich alltägliche einfache Aufgaben, wieder in einen sehr vollen Bus ein.

Dieser Fahrer schien jedoch ausnehmend gut gelaunt zu sein, er nickte und lächelte allen Einsteigenden freundlich zu.

„Wie schön!“, dachte ich.

Die Fahrt selbst hingegen war jedoch wieder ebenso rumpelig wie heute am Morgen. Starkes Bremsen, scharfe Kurven und es gesellte sich mitten in der Stadt noch ein Beinahe-Unfall hinzu, weil eine Autofahrerin während eines Abbiegevorgangs fast in den Bus gefahren wäre.

Nicht gesehen.

Den kleinen Bus.

Dann wollte sie auf der vollen Hauptstraße zurücksetzen und hätten nicht alle wie wild gehupt, wäre sie rückwärts in den nachfolgenden Verkehr hineingefahren.

Aber es ist zum Glück alles gut gegangen.

Wieder nicht gesehen – andersherum

Zwei Stationen vor meinem Ausstieg dann stiegen mehrere Jugendliche aus. Eine zierliche ältere Dame wollte auch aussteigen, aber sie brauchte etwas länger bis zur Tür. Das hatte der Busfahrer wohl nicht gesehen, denn er war inzwischen schon wieder losgefahren – die Frau war jedoch noch auf dem Weg zur Tür. Da wir uns in einer engen Straße befanden, war dort seine Konzentration gefordert und musste er aufgrund des Gegenverkehrs direkt nach dem Anfahren wieder bremsen.

Und er bremste stark.

Da war es passiert.

Ein dumpfes Geräusch von hinten.

Die ältere Frau hatte sich nicht halten können und war in voller Länge auf den Boden geknallt.

Als ich den Rumms hörte und mich mit großen Augen umsah, lag sie schon unten, den Kopf auf einer Kante liegend.

Die andere Mitfahrerin und ich sind sofort zu ihr gelaufen und haben ihr geholfen. Sie konnte aufstehen und ging sofort aus der geöffneten Tür heraus, lief quasi weg. Der Busfahrer kam ebenfalls sofort hinterhergesprungen und wir fragten sie mehrmals, ob alles in Ordnung sei, da sie auf den Kopf gefallen wäre. „Nein, ich bin nicht auf den Kopf gefallen, nur auf die Seite. Ich wohne da vorne“, sagte sie und wies in die entsprechende Richtung.

Sie drehte sich um, es war ihr unangenehm und sie wollte offensichtlich unbedingt gehen. Ihr Blick war einigermaßen klar.

Der Busfahrer und ich sahen uns an und wir mussten sie ziehen lassen, da sie keine weitere Hilfe wollte. Wir sahen ihr noch nach – sie ging gerade und in normalem Tempo.

Wir konnten nur die Daumen halten, dass es ihr wirklich gut ging.

Spiegelungen

Als ich alles noch einmal Revue passieren ließ, sind mir ein paar Dinge sehr deutlich geworden.

Alle Menschen spüren und erleben momentan ganz konkret, was in unserer Welt geschieht.

Ob nun bewusst oder unbewusst.

Ob sie wollen, oder nicht.

Die Einflüsse sind so intensiv, dass sich niemand mehr davon freisprechen kann.

Es lebt sich einfach durch uns aus.

Was für Einflüsse meine ich?

Es wäre zu einfach, alles auf eine einzige Ursache zu reduzieren. Viele Einflüsse wirken derzeit gleichzeitig auf uns ein – sichtbar und unsichtbar, laut und leise. Einige davon möchte ich hier näher betrachten.

Ich erwähnte zu Beginn das Feuer-Pferd, das schon losgaloppiert ist. Das gehört in den Bereich der chinesischen Astrologie.

Auch die in unseren Breitengraden eher bekannte Astrologie stimmt in diesen Chor eindeutig ein. Die Planetenkonstellationen der sogenannten „Langsamläufer“ sind momentan sehr intensiv. Es handelt sich hier um die Planeten Uranus, Neptun, Pluto & Co., die sehr lange brauchen, um die Sonne zu umkreisen. Deren derzeitige Stellungen sind eher selten und haben aktuell starken Einfluss auf unseren Planeten. Es bedeutet nicht, dass die Planeten an den Umständen „Schuld“ sind – die Planeten „sind“ einfach.

Ihre Energie wirkt einfach momentan intensiver als sonst auf unser Erdfeld ein.

Die Sonne trägt ihren Teil dazu bei: Bei erhöhter Sonnenaktivität treffen geladene Teilchen auf das Magnetfeld der Erde und verändern es messbar. Vielen ist dieses Phänomen auch als Sonneneruption bekannt.

Der menschliche Körper ist ein fein abgestimmtes bioelektrisches System. Dass Veränderungen im elektromagnetischen Umfeld nicht folgenlos an uns vorbeigehen, erscheint daher plausibel – auch wenn viele Zusammenhänge wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt sind.

Zwischen dem, was wir messen können, und dem, was wir körperlich wahrnehmen, liegt ein Bereich, der noch nicht vollständig verstanden ist. In dieser Phase vollbringen unsere Körper Höchstleistungen: Sie versuchen, äußere Einflüsse auszugleichen und gleichzeitig den Anforderungen eines dichten Alltags gerecht zu werden – körperlich, emotional und psychisch.

Kein Wunder also, dass menschliches Verhalten derzeit mitunter grenzwertig wirkt.

Das zeigt sich in der rumpeligen Fahrweise des Busfahrers. In der Busfahrerin, deren Emotionen unvermittelt überlaufen. In der Unachtsamkeit der Autofahrerin, die den Bus übersieht – und im Busfahrer, der seine Konzentration zu schnell auf den Verkehr lenkt und dabei die ältere Dame nicht bemerkt.

Manchmal ist es auch die Technik, die plötzlich nicht mehr funktioniert, wie sie soll. Sie bringt uns zur Weißglut – nur, um fünf Minuten später wieder reibungslos zu laufen, als wäre nichts gewesen.

Oder es zeigt sich in bleierner Müdigkeit oder plötzlicher Launenhaftigkeit.

In Streitereien um Nichtigkeiten, die ungewohnt heftig eskalieren.

Ich frage mich manchmal, was die Menschen denken, denen das nicht so klar ist, was gerade mit ihnen geschieht. Was glauben sie, ist der Grund dafür, wenn sie bemerken, dass sie überreagieren oder dass sich im Moment alles mühsam anfühlt? Das Weltgeschehen? Die Politik? Die Mitmenschen, die Kollegen, die Nachbarn? Oder vielleicht ihre eigene Gesundheit?

Wer den Nachrichten und der täglichen Berichterstattung folgt, findet schnell die bekannten Narrative, denen sich die Schuld für all das zuschieben lässt. Davon wird reichlich Gebrauch gemacht.

Doch das ist nicht meine Wahrheit.

Für mich gehen wir gerade gemeinsam durch eine Art Nadelöhr – nicht nur, bis sich die Einflüsse wieder beruhigen, sondern bis sich auch in uns etwas neu sortiert hat.

Die Lösung liegt dabei nicht im Außen und nicht darin, irgendjemandem oder irgendetwas die Verantwortung zuzuschieben. Wenn wir nach innen schauen und den Mut aufbringen, auch unsere blinden Flecken und schmerzenden Stellen wahrzunehmen, finden wir vielleicht eine Antwort, die sehr viel nährender ist. Eine, die uns immer wieder zurück zu uns selbst führt – und genau darin Halt gibt.

Von innen heraus.

Und mit einer starken inneren Säule schafft man es durch jeden Sturm.

Atmen.

Immer wieder. 🌿

Oh, hallo 👋
Schön, dich zu treffen.

Trag dich ein, wenn du über meine neuesten Blogbeiträge informiert werden möchtest.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert