Konsum.

In der Stadt nebenan hat ein neuer Markt aufgemacht. Viele haben sich darüber gefreut, dass wir auch endlich einen „Action“ in der Stadt haben. Im Nachbarort gibt es zwar auch schon einen solchen Markt, zu dem man fahren könnte – aber okay, nicht jeder ist immer vollständig mobil.

Heute habe ich mich dann in die Höhle des Löwen gewagt. Eigentlich brauchte ich nichts dringend, ich wollte mir den Laden einmal anschauen und hatte noch ein spezielles Bastelmaterial im Kopf – falls ich es finden würde, wäre es schön.

Wenn nicht, auch nicht schlimm.

Der Markt an sich war (noch) ordentlich und übersichtlich. Alles war wie erwartet, die Tiefe der Auswahl jedoch eher gering – aus jeder Kategorie war aber zumindest etwas vorhanden. Ich schlenderte also durch die Gänge, schaute mich um und beobachtete nebenbei auch die übrigen Kunden.

Was die Menschen so tun

Eine Frau war mit ihrem Mann, Sohn, Tochter und Kleinkind im Kinderwagen unterwegs. Die Männer gingen voran, sie schlenderte hinterher, die Tochter eng im Schlepptau. Sie schaute im Vorbeigehen in die Regale und schob dabei ihren Kinderwagen vor sich her.

Rumms! Sie rempelte mich von hinten mit dem Kinderwagen an.

Doch das schien nur ich bemerkt zu haben, denn sie schaute unbeirrt weiter in die Regale.

Ich ging einen Schritt zur Seite.

Sie fuhr unbeirrt weiter – und rempelte den nächsten Kunden an. Das bemerkte sie wenigstens, schaute kurz vollkommen ausdruckslos zu dem Kunden, zog ihren Wagen etwas zur Seite und fuhr einfach weiter.

Kein „sorry“, kein „oh“, nicht einmal ein entschuldigender Blick.

Wie innerlich tot.

Zwei Regale weiter gab es diverse Kleidung – Socken, Unterwäsche, Hausschuhe.

Eine andere Kundin nahm einen Schuh, sah ihn kurz an und warf ihn mit verächtlichem Blick zurück ins Regal.

Man muss ja nicht alles mögen. Aber ist es nötig, die Ware so achtlos einfach wieder irgendwo hinzuwerfen? An ihren vorigen Platz zurücklegen wäre ja auch möglich gewesen. Dann freut sich der nächste Kunde vielleicht über genau diesen Schuh – weil er sich vielleicht endlich ein neues Paar Hausschuhe leisten kann.

Überfluss im Vorbeigehen

Mir kam bei dieser Situation ins Gedächtnis, dass ich kürzlich einen Film über Indonesien sah. Dort liefen Kinder barfuß über einen Fischmarkt, mitten durch die sicher nicht gut riechenden Flüssigkeiten, die nach so einem Fischmarkt auf dem Boden sind.

Diese Kinder hatten keine Schuhe – nicht einmal Flipflops.

Viele Kinder haben nichts von den Dingen, die mich heute im Action-Markt aus den Regalen heraus anschauten.

Natürlich wissen wir das alles.

Wir reden darüber, sehen es im TV oder in Social Media.

Und trotzdem laufen die Menschen durch die Läden mit überfüllten Regalen – und schätzen nicht mehr, was uns alles zur Verfügung steht.

In was für einem Überfluss wir hier leben.

Wir können jederzeit (!) in irgendeinen Laden gehen und uns das kaufen, was wir gerade im Kopf haben. Und hat es der Laden nicht, weil er sein Sortiment inzwischen eingeschränkt hat, dann bestellen wir es eben.

Bei uns zu Hause

Wenn wir uns einfach einmal in einem ganz normalen Einfamilienhaus in Deutschland umschauen und versuchen zu erfassen, wie viele Gegenstände sich in so einem Haus befinden, gelingt uns das beinahe nicht. Was man in diesem Haus allein schon alles machen kann, ist schier unglaublich. Je nach Neigung gibt es oftmals eine enorme Auswahl an Hobby-Artikeln, Sportutensilien, Kochzubehör, Werkzeug oder Büchern, die sich die Bewohner des Hauses über die Jahre zugelegt haben. Was für ein Überfluss an Dingen und Möglichkeiten.

Wissen wir eigentlich noch zu schätzen, wo und wie wir leben können und dürfen?

Oder sind wir schon ertrunken im Konsumzwang und suchen immer noch Erfüllung im „mehr haben“ oder „mehr machen“, das uns doch nach seinem kurzen Kick wieder mit unserer inneren Leere allein lässt.

Die eigentlich nach etwas ganz anderem sucht …

Ich glaube, es gibt inzwischen viele Menschen, die es einfach satthaben, zu konsumieren, um zu konsumieren. Die durchschaut haben, dass es nicht zufriedenstellt, noch etwas zu kaufen, was man mit nach Hause nimmt, um sich dann dort auch darum zu kümmern – zusammen mit all den anderen Gegenständen, die schon da sind.

Der kurze Konsumkick wird dann nämlich recht schnell zu einer Belastung und wirft neue Fragen auf, anstatt zu erfreuen. Fragen wie „Wohin jetzt mit dem Ding, es steht doch schon alles voll?“ oder „Muss ich das schon wieder putzen?“ sind uns vielleicht nicht ganz unbekannt.

Ja, es gibt sie, die Menschen, die wieder erkennen, wie gut es ihnen geht mit dem, was sie bereits haben. Und nicht noch mehr wollen – sondern eher weniger.

Doch manchmal, manchmal, prallen diese Menschen mit diesen grundverschiedenen Ansätzen im normalen Leben aufeinander – und können sich gegenseitig nicht mehr begreifen.

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